WAZ online vom 22.02.2016

Als die Männer noch jagen gingen

22.02.2016 | 19:00 Uhr

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Les Dames mit gut geölter Stimme in Aktion.Foto: Gerd Hermann

Wesel. „Les Dames“ sorgten im Scala-Kulturspielhaus Wesel für Lacher, gaben Tipps und ließen kaum einen Kerl ungeschoren davon – dem Publikum gefiel die kreative Show

Komisch war es am Samstagabend im Scala-Kulturspielhaus. Auf der längst schon nicht mehr nur als Geheimtipp geltenden Bühne präsentierten „Les Dames“ ihren Beitrag zu locker flockiger Unterhaltung mit Biss und Botschaft. Denn „Les Dames“ boten einfach mehr, und das ganz konsequent vom Start weg.

Smalltalk mit dem Publikum ist da noch die einfachste spaßbringende Variante. Aber worüber machen zwei Frauen wohl Comedy/Kabarett? Über Männer selbstverständlich. Und da gibt es Massen von Charakteren: Der Softie, der Macho, der Mistkerl, der nette Kerl, der Akademiker. Natürlich wurden die Vor- und Nachteile dieser Männertypen brühwarm und weit auf der Bühne ausgebreitet. Auch Erinnerungen an die Urzeit, wo Männer als Jäger Tiere erlegten und abends – betont wurde „an jedem Abend“ – ihrenNachwuchs produzierenden Pflichten nachkamen.

Als Hommage an das männliche Geschlecht sang Constanze Schick „Mein Herr“ aus dem Musical Cabaret. Nun kam Brigitte Eiff mit langen schwarzen Handschuhen, Abendkleid und einer Zigarettenspitze ausgerüstet auf die Bühne. Mit französischem Akzent gratulierte sie dem Publikum zum zehnjährigen Regierungsjubiläum von Angela Merkel. Doch die Freude der Französin hielt sich in Grenzen, die die Taten Merkels auf Herz und Nieren prüfte.

Wild und sexy erklang danach „Lady Marmalade“ mit roter Federboa, bevor eine Rollator-Oma durchs Publikum rollte und den Weg auf die Bühne mit Hilfe des männlichen Publikums zum engen Körperkontakt nutzte. Die wilde Hilde plauderte über Alterssex mit mehr als 80 Jahren und präsentierte stolz ihren Fetisch: Rosa Plüschhandschellen. Schmatzend und ihr Gebiss leckend erzählte Hilde von ihrem Lebenswandel voller Promiskuität. Ständige Lacherwaren da zu hören.

Nach einer Tanzeinlage zu „Du bist so heiß wie ein Vulkan“, bei dem eine polnische Schönheit im goldglitzerndem Minirockoutfit mit dem Publikum animierend tanzte, erzählte sie ihrer schrulligen und kurzsichtigen Freundin „Zuckerschneckchen“ von ihrer neuenGeschäftsidee als persönliche Beraterin für ein Leben mit Stil. „Hast du Stil, hast du alles. Hast du keinen Stil, hast du Hartz-IV!“, diente da als universal gültiges Erfolgsmantra.

Die gebotene Comedy-, Kabarett-, Ideen- und Musikbandbreite und die ständig wechselnden Kostüme von „Les Dames“ kamen unerschöpflich, mutig und kreativ daher. Das liegt sicherlich auch am beruflichen Hintergrund von Constanze Schick (aus Hagen, Mitarbeiterin an der dortigen Fern-Uni) und Brigitte Eiff (aus Borken, Gutachterin beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen), die schon seit zehn Jahren als witzelndes Duo touren.

„Das Publikum ist super, hier in der Weseler Scala“, gaben Schick und Eiff unumwunden schon in der Pause zu. Und die Formulierung „… in der Scala“ war da sicherlich kein Versprecher sondern ein dickes Lob an das Kulturspielhaus.

Michael Mrosek